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Zum Tode von Klaus Hildebrandt

Von Ulrich Schmilewski

Eine große Schar von Verwandten, Freunden und Weggefährten hatte sich am 27. April 2016 auf dem Nürnberger Westfriedhof eingefunden, um dem am 20. April in Nürnberg gestorbenen Dr. Klaus Hildebrandt das letzte Geleit zu geben. Geboren wurde Klaus Hildebrandt am 30. Juli 1936 im schlesischen Schweidnitz, wo er noch die Volksschule besuchte. Nach der Flucht setzte er seine schulische Ausbildung in Mittelfranken fort, legte sein Abitur in Nürnberg ab und studierte die Fächer Deutsch, Geschichte, Erdkunde, Englisch und Philosophie an der Universität Erlangen, wo er 1965 mit einer Arbeit über „Gerhart Hauptmanns Verhältnis zur Geschichte“ zum Dr. phil. promoviert wurde. Beruflich hatte er sich für den Schuldienst entschieden, zunächst am Dürer-Gymnasium in Nürnberg, dann von 1987 bis zu seiner Pensionierung als Oberstudiendirektor und Schulleiter am Hardenberg-Gymnasium Fürth. Ein Anliegen war ihm dabei die Ausbildung auch der angehenden Pädagogen, so wurde er Seminarlehrer für Geschichte und Deutsch, schließlich Seminarleiter und -vorstand.

Seine Verbundenheit zu Schlesien sowie zu Leben und Werk von Gerhart Hauptmann fand Ausdruck in verschiedenen, häufig jahrzehntelangen Mitgliedschaften und ehrenamtlichen Tätigkeiten. So gehörte Klaus Hildebrandt der Historischen Kommission für Schlesien an, war Mitglied im Verein für Geschichte Schlesiens sowie – seit 1964 – der Freunde und Förderer der Stiftung Kulturwerk Schlesien e.V. Am aktivsten ist er in der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft gewesen, seit 1986 als Schatzmeister, Zweiter und schließlich bis letztes Jahr als Erster Vorsitzender; hier lagen ihm besonders die Hauptmann-Häuser auf Hiddensee, in Erkner und in Agnetendorf im Riesengebirge am Herzen. In Funktionen hat er sich auch eingebracht bei der Stiftung Kulturwerk Schlesien als Mitglied des Stiftungsrates seit 1982 und als interner Rechnungsprüfer. Dabei ging es ihm nie um das Amt als solches, sondern um die Sache und darum zu helfen, wenn er gerufen wurde. Gerufen wurde er auch im Jahre 2007, als es darum ging, in dieser Vierteljahreszeitschrift die Rubrik „Geburtstagsglückwünsche“ weiterzuführen.

Verbunden hat er diese aus der Liebe zu seiner Heimat Schlesien gespeiste Tätigkeit mit seinem fachlichen Wissen und Können insbesondere im Bereich der Germanistik. Dabei ging es nicht nur um die Erforschung und Darstellung von Leben und Werk Gerhart Hauptmanns, sondern auch anderer schlesischer Schriftsteller und Dichter vom Barock bis in die Gegenwart. Unter seinen zahlreichen Aufsätzen und Veröffentlichungen sind bemerkenswert und bleibend seine Würdigungen schlesischer Schriftsteller der Gegenwart, die er häufig auch persönlich kannte. In Vorträgen und in Aufsätzen beispielsweise in den „Schlesischen Lebensbildern“ hat Klaus Hildebrandt ihr Werk und ihr Leben, das mit dem Verlust der Heimat, mit Flucht, Vertreibung und Neubeginn in der Fremde auch seines war, vorgestellt, etwa Horst Bienek, Heinz Piontek, Jochen Hoffbauer und andere mehr.

Für diese seine ehrenamtlichen Tätigkeiten wurde Klaus Hildebrandt mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt, die Stiftung Kulturwerk Schlesien würdigte ihn im Jahre 2012 mit der Verleihung der Gerhart-Hauptmann-Plakette.

Der Schlesier Klaus Hildebrandt hat seine Heimat und die Literatur verbunden. Und so gebührt das letzte Wort dem Dichter Angelus Silesius (Cherubinischer Wandersmann I, 185):

Nicht du bist in dem Ort,
der Ort, der ist in dir!
Wirfst du ihn aus, so steht
Die Ewigkeit schon hier.

(Erschienen in: Schlesischer Kulturspiegel 51, 2016, S. 24 f., Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Verfassers.)

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