Mitgliederversammlung 2017

Nachdem die Mitgliederversammlung 2016 erstmals im „Haus Wiesenstein“, dem Städtischen Museum Gerhart-Hauptmann-Haus in Jagniatków (Agnetendorf), stattgefunden hat und erwartungsgemäß nicht besonders gut besucht war, wird die diesjährige Mitgliederversammlung wieder im Gerhart-Hauptmann-Museum Erkner, dem bewährten Ort also, stattfinden, und zwar am 11. November ab 14 Uhr.

Im Anschluss an die Jahresversammlung um 17 Uhr wird der für Oktober 2017 angekündigte Tagungsband  „… und weiche Klänge quellen auf wie Rauch“ : Gerhart Hauptmann und die Musik (Verlag für Berlin-Brandenburg / Quintus-Verlag) gemeinsam mit dem Verleger und Vereinsmitglied André Förster vorgestellt. Der Band enthält auch Würdigungen des langjährigen Vorsitzenden der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft e.V., Dr. Klaus Hildebrandt.

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Festschrift für Peter Sprengel

Kürzlich erschien eine Festschrift für Peter Sprengel, der nicht nur, aber doch sehr als Hauptmann-Forscher bekannt ist. So versteht es sich beinahe von selbst, daß sich der umfangreiche Sammelband nicht nur, aber doch auch Werk und Leben Gerhart Hauptmanns widmet. Als Vorgriff auf die nächste Lieferung der Literaturhinweise hier bereits die bibliographischen Angaben:

Lörke, Tim, Gregor Streim und Robert Walter-Jochum (Hrsg.): Von den Rändern zur Moderne. Studien zur deutschsprachigen Literatur zwischen Jahrhundertwende und Zweitem Weltkrieg. Festschrift für Peter Sprengel zum 65. Geburtstag. Würzburg 2014. – 504 S. – ISBN: 978-3-8260-5484-6 – 49,80 €.

Der Themenblock »Ein Großer vom Rande – Der Schlesier Gerhart Hauptmann« enthält folgende (mit Ausnahme des originellen ersten: wissenschaftliche) Beiträge:

  • Astrid Arz: Gerharts Traum. Konkret prosaisches Anagrammnonsensepoesiedrama, teils mit Tippfehlern, teils in naturalistisch-hartdeutscher Mundart, S. 107–109
  • Achim Aurnhammer: »Wenn ich was könnte […] und wenn der Hauptmann gescheidt wär« – Arthur Schnitzlers Wettstreit mit Gerhart Hauptmann, S. 111–126
  • Bernhard Tempel: Passive und naive Helden. Georg Lukács als Kritiker der Tragödie Gerhart Hauptmanns, S. 127–146
  • Antje Johanning-Radžienė: »In der Sinfonie der letzten vier Jahrzehnte ist sie der unbeirrbare, starke, tiefe Orgelpunkt.« Käthe Kollwitz und Gerhart Hauptmann, S. 147–170
  • Wojciech Kunicki: Die Wirklichkeit der Mythen. Zu Gerhart Hauptmanns Beschreibung des Zobten-Kommers in Das Abenteuer meiner Jugend, S. 171–184
  • Krzystof A. Kuczyński: Die Feiern zu Gerhart Hauptmanns 80. Geburtstag in Hirschberg 1942, S. 185–193
  • Till Becker und Edith Wack: »Sich äussern heisst äusserlich werden.« Ein Versuch über Gerhart Hauptmann als Briefschreiber, S. 195–222
  • Jutta Weber: Gerhart Hauptmanns Briefnachlass und das Projekt »Gerhart Hauptmann digital«, S. 223–231

Gedichte und Versfragmente von Sigfrid Hoefert

Schon 2013 erschien unter dem Titel Unterwegs ein Bändchen mit Gedichten und Versfragmenten von Sigfrid Hoefert.[1] Der Autor, Jahrgang 1925, ist Germanist und in der Hauptmann-Forschung vor allem bekannt als Hauptmann-Bibliograph. Nach dem Tod Rudolf Ziesches ist er eines der beiden Ehrenmitglieder der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft e.V.

Der ein Jahr später veröffentlichte zweite Gedichtband, Auf Wegen und Umwegen[2] enthält auch drei Gedichte, die sich auf Gerhart Hauptmann beziehen. Besonders gelungen scheint mir Schlesische Kriegsspiele, weil es auf kürzestem Raum Spannweite, aber auch überwiegende Tendenz von Hauptmanns Äußerungen zum Krieg zusammenfaßt. Mit der freundlichen Erlaubnis des Verfassers sei es hier wiedergegeben:

Schlesische Kriegsspiele

Den Frieden preist Hauptmann im Festspiel
und trifft mit seinen Reimen kriegerische Heißsporne,
und später zur Vernichtung der Elbmetropole sagt er,
was gesagt werden musste, manchmal äußert er
Anstößiges, verdammt jedoch
den Krieg in den Versen
über der Atriden
Schicksal.

[1] Sigfrid Hoefert: Unterwegs. Gedichte und Versfragmente. Münster: agenda-Verl., 2013 (Kleine Reihe Literatur 7). – 65 S. – ISBN 978-3-89688-499-2
Verlagsinformationen (mit Inhaltsverzeichnis und Leseprobe)

[2] Sigfrid Hoefert: Auf Wegen und Umwegen. Gedichte und Versfragmente. Münster: agenda-Verl., 2014 (Kleine Reihe Literatur 14). – 66 S. – ISBN 978-3-89688-523-2
Verlagsinformationen (mit Inhaltsverzeichnis und Leseprobe)

Capri in Leben und Werk Gerhart Hauptmann

„Er wollte nach Griechenland und kam doch nur bis Capri – so könnte man Anspruch und Wirklichkeit des großen Reiseprojekts charakterisieren, zu dem Gerhart Hauptmann im April 1883 von Hamburg auf dem Seeweg aufbrach.“[1]

Mit diesen Worten beginnt Peter Sprengels Einleitung „Capri-Reprisen“ zum neuesten Band des Jahrbuchs ‚Carl und Gerhart Hauptmann‘, von dem nun der 8. Band vorliegt, ein Themenband, der Editionen und Studien unter dem Titel „Capri in Leben und Werk Gerhart Hauptmanns“ bietet. Das Thema ist überraschend ergiebig und hat außer mit Tagebüchern und Briefen (dokumentiert wird u.a. das Reisetagebuch von 1883) auch reichlich Spuren im Werk hinterlassen. Im Band findet man die erste Fassung des Versepos ‚Die blaue Blume‘, die erste Fassung des Capri-Abschnitts aus dem ‚Abenteuer meiner Jugend‘ sowie erste Fassung und zwei Schlußvarianten des ‚Meerwunders‘. Ergänzt werden die über 200 Seiten Edition und Dokumentation durch vier Studien von Peter Sprengel (darunter ein Originalbeitrag „Schwankungen auf dem Weg zum Meerwunder. Zur Erstfassung von Hauptmanns Novelle und ihren Schluss-Varianten“, S. 301-314) und den Aufsatz „Zusammenstoß der Welten. Offenbarung, Religion und Phantastik in Gerhart Hauptmanns Das Meerwunder von Tim Lörke (S. 315-327).

Das Jahrbuch ist weiterhin nur in wenigen deutschen Bibliotheken verfügbar (s. Zeitschriftendatenbank) und über den Sortimentsbuchhandel nicht oder nur schwierig zu beziehen (übrigens auch nicht über die Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft, obwohl es gelegentlich Anfragen danach gibt). Der Vertrieb erfolgt laut Impressum durch:

Państwowa Wyższa Szkoła Zawodowa we Włocławku / Staatliche Fachhochschule Włocławk
Wydawnictwo Naukowe PWSZ we Włocławku
Wissenschaftlicher Verlag der Staatlichen Fachhochschule in Włocławek
PL 87-800 Włocławek, ul. Mechaników 3
Fax: ++48 54 3214352
E-Mail: rektorat@pwsz.wloclawek.pl

[1] Peter Sprengel: Capri in Leben und Werk Gerhart Hauptmanns. Editionen und Studien. Mit Beitr. von Tim Lörke und Edith Wack (Carl und Gerhart Hauptmann – Jahrbuch 8). Włocławek 2014. – 344 S., Zitat S. 7

Carl und Gerhart Hauptmann-Jahrbuch 6 (2012)

Der vor wenigen Tagen erschienene Band 6 (2012) des Carl und Gerhart Hauptmann-Jahrbuchs ist besonders reichhaltig ausgefallen. Er enthält einige Aufsätze, mit denen andere Zeitschriften wegen ihres Umfangs ihre Probleme gehabt hätten, sowie die Dokumentation der (vor allem brieflichen) Beziehung zwischen Gerhart Hauptmann und Selma Lagerlöf anläßlich der Dramatisierung von Lagerlöfs Erzählung »Herr Arnes penningar« (»Herrn Arnes Schatz«) als »Winterballade«. Erwähnung verdient auch das von Peter Sprengel herausgegebene Fragment einer Stanzendichtung »Karl«, die Gerhart Hauptmann vier Wochen nach dem Tod seines Bruders begonnen hatte. In einem bemerkenswerten Gespräch mit Krzystof A. Kuczyński berichtet Peter Sprengel, wie er zur Hauptmann-Forschung kam (eine maßgebliche Rolle spielte dabei die mit dem bis dato kaum wissenschaftlich ausgewerteten Nachlaß verbundene günstige Quellenlage).

Im einzelnen enthält der Band folgende Beiträge:

  • Krzystof A. Kuczyński: Auf den Spuren Gerhart Hauptmanns. Ein Gespräch mit Prof. Dr. Peter Sprengel von der Freien Universität Berlin, S. 7–21.
  • Peter Sprengel: Gerhart Hauptmanns Die Weber – ein Projekt des Lebens, S. 23–43. – [Überarbeiteter Nachdruck des Beitrags zum Programmheft des Deutschen Theaters Berlin zur Inszenierung der Weber, Spielzeit 2010/11, Regie: Michael Thalheimer.].
  • Peter Sprengel: »Ich hasse sie nicht.« Gerhart Hautmanns Umgang mit literarischen Gegnern (Max Kretzer, Conrad Alberti), S. 44–60.
  • Marc Schweißinger: Gerhart Hauptmann: Bahnwärter Thiel oder die Tragödie der Sprachlosigkeit, S. 61–106.
  • Rüdiger Bernhardt: Die Zerstörung der preußischen Ordnung. Zu Gerhart Hauptmanns Bahnwärter Thiel. Novellistische Studie aus dem märkischen Kiefernforst, S. 107–134.
  • Edith Wack: Laura Marholm und die ›Frauenfrage‹. Zur Vorgeschichte von Gerhart Hauptmanns Drama Einsame Menschen, S. 135–179.
  • Sven Ekdahl: Selma Lagerlöf und Gerhart Hauptmann. Korrespondenz der Jahre 1912–1938 aus den Nachlässen in Stockholm und Berlin, S. 181–220. – [S. 203–220: »Quellenanhang« mit Abdruck von 20 Briefen und Telegrammen, vor allem Gerhart Hauptmanns und Selma Lagerlöfs.].
  • Krzystof A. Kuczyński: Gerhart Hauptmanns Briefe an Johannes Maximilian Avenarius aus den Jahren 1915–1942. Eine Auswahl, S. 221–239.
  • Marie Maroske: Gerhart Hauptmanns Mignon unter der Beeinflussung Friedrich Nietzsches, S. 241–278.
  • Bogusław Drewniak: Der 80. Geburtstag Gerhart Hauptmanns im Reich, in den besetzten Gebieten und im Ausland, S. 279–300.
  • Sigfrid Hoefert: Zur Übersetzertätigkeit im Bereich neuerer Hauptmann-Forschung, S. 301–315.
  • Klaus Hildebrandt: 25 Jahre Gerhart-Hauptmann-Museum Erkner. Eine Würdigung zum Jubiläum im Hauptmann-Gedenkjahr 2012, S. 317–339.
  • Peter Sprengel: Der Ketzer von Soana in der Kritik des zeitgenössischen Protestantismus. Ein Nachtrag, S. 341 f.
  • Gerhart Hauptmann: Karl (1921), S. 343–346. – [Ansatz einer Stanzendichtung, entstanden in Sestri Levante, 1.–5. März 1921, vier Wochen nach dem Tod von Carl Hauptmann. Erstveröffentlichung
    nach der Handschrift GH Hs 211, 62v–68r.].
  • Krzystof A.Kuczyński: Reden an der Bahre Carl Hauptmanns. Eine Dokumentation, S. 347–357.
  • Krzystof A. Kuczyński: Carl Hauptmann-Gesellschaft. Ein Beitrag zur Rezeption des Dichters in der Zwischenkriegszeit, S. 359–365.

Leider ist das Jahrbuch weiterhin nur in wenigen deutschen Bibliotheken verfügbar (s. Zeitschriftendatenbank) und über den Sortimentsbuchhandel nicht zu beziehen (übrigens auch nicht über die Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft, obwohl es gelegentlich Anfragen danach gibt). Die für den Band 3 (2008) genannte Bezugsadresse stimmt möglicherweise nicht mehr, da das Jahrbuch nun im Wissenschaftlichen Verlag der Fachhochschule Włocławek erscheint. Adresse der Redaktion:

Prof. Dr. Krzysztof A. Kuczyński
Katedra Badań Niemcoznawczych / Lehrstuhl für Deutschlandstudien
Uniwersytet Łódzki / Universität Lodz
ul. Narutowicza 59 a
PL 90-131 Łódź
Tel./Fax. 0048-42-66 55 401
E-Mail: niemcoznawstwo@op.pl

 

Neuerscheinung: Briefwechsel Gerhart Hauptmann / Ivo Hauptmann

In höchster Berliner Eile, Gerhart Hauptmann und Ivo Hauptmann, Briefwechsel
Titelbild der Ausgabe des Briefwechsels zwischen Gerhart und Ivo Hauptmann

Schon seit Mai 2012 ist im Schlesischen Museum zu Görlitz die Ausstellung „Poetische Orte“ zu sehen, deren Begleitband durch die Gegenüberstellung von Bildern Ivo Hauptmanns und Texten Gerhart Hauptmanns zum 150. Geburtstag des Vaters auch an den ältesten Sohn Gerhart Hauptmanns erinnert. Mit dem Briefwechsels zwischen Gerhart und Ivo Hauptmann (1886-1973) ist nun ein weiterer Beitrag zum Jubiläumsjahr erschienen, der einen „bislang unbekannte[n] Gerhart Hauptmann“ zeigt, wie es im Umschlagtext heißt: „Der Nobelpreisträger erweist sich als fürsorglicher und gelegentlich temperamentvoller Vater, der Ivos Laufbahn als bildender Künstler aufmerksam verfolgte.“

Der von Harriet Hauptmann (Enkelin Ivo Hauptmanns und Betreuerin der Ivo-Hauptmann-Archivs) und Stefan Rohlfs (Leiter des Gerhart-Hauptmann-Museums Erkner sowie 2. Vorsitzender der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft) herausgegebene Briefwechsel umfaßt den großen Zeitraum zwischen 14. August 1895 und 27. April 1946. Es handelt sich um eine Auswahlausgabe, über deren Kriterien das Vorwort unterrichtet:

„Die Korrespondenz kann nur in Teilen wiedergegeben werden. Zum einen soll die Auswahl den Fokus auf die künstlerische Beziehung setzen, deshalb sind einzelne Briefe und Postkarten mit ausschließlich familiären Äußerungen und Informationen weggelassen worden. Zum anderen ist ein Großteil der Briefe, die im Laufe von über 50 Jahren von beiden Seiten geschrieben wurden, durch verschiedene Umstände nicht mehr erhalten. Bezugnahmen und Antworten auf Schreiben sind im Briefwechsel häufig nicht zu finden, da sich Gerhart und Ivo Hauptmann oft per Telefon oder im persönlichen Gespräch verständigten.“ (S. 7)

Trotz der Auswahl ist ein reichhaltiger Band zustande gekommen, der nicht primär wissenschaftliche Nutzer ansprechen will und wird, sondern Leser. Die einzelnen Briefe sind knapp sachlich annotiert, und für Anschaulichkeit sorgen 16 Abbildungen, u.a. Fotoportraits, faksimilierte Briefe sowie Zeichnungen und Gemälde Ivo Hauptmanns. Abgerundet wird der Band durch eine Zeittafel (S. 238-245) und ein Personenregister, das übrigens auch Verweisungen von den vielfach vorkommenden Kosenamen enthält.

Hauptmann, Gerhart und Ivo Hauptmann: »In höchster Berliner Eile . . . « Briefwechsel. Hrsg. v. Harriet Hauptmann und Stefan Rohlfs. Berlin: Verl. für Berlin-Brandenburg vbb, 2012. 252 S.
ISBN 978-3-942476-32-4
24,95 Euro

Frisch auf dem Tisch: Peter Sprengels Hauptmann-Biographie

Der 150. Geburtstag Gerhart Hauptmanns rückt näher, und allmählich kommen die Einschläge dichter. Erschien Anfang August der Nachtragsband zur internationalen Bibliographie (wir berichteten), liegt nun der sehr wahrscheinlich gewichtigste Beitrag des Jubiläumsjahrs vor: Eine Biographie des Dichters aus der Feder von Peter Sprengel.

Gerhart Hauptmann, Bürgerlichkeit und großer Traum, Eine Biographie, C.H.Beck
Umschlag von Peter Sprengels Hauptmann-Biographie

Um die Bedeutung dieses Werks ermessen zu können, hilft ein Blick auf die bisherige Lage der Hauptmann-Biographik. In den letzten Jahrzehnten waren es vor allem drei Biographien, die in mehreren Auflagen verfügbar waren:

  1. Eberhard Hilschers (1927–2005) umfangreiche Gesamtdarstellung erschien erstmals 1969 im Ost-Berliner Verlag der Nation unter dem schlichten Titel »Gerhart Hauptmann«.[1] Bis 1979 folgten zwei weitere Auflagen,[2] kurz vor der Wende 1987 eine Neubearbeitung, die den Untertitel »Leben und Werk« erhielt und nun veröffentlichtes wie unveröffentlichtes Material aus dem Nachlaß Gerhart Hauptmanns auswerten konnte.[3] Die Neubearbeitung erschien als Lizenzausgabe 1988 auch in Westdeutschland[4] und war die Grundlage für eine Taschenbuchausgabe, die der Aufbau-Verlag 1996 anläßlich von Hauptmanns 50. Todestag herausbrachte.[5] Das Nachwort dieser Taschenbuchausgabe bezeichnet das Werk nun als Biographie und gibt einen kurzen Hinweis auf die »schwierigen kulturpolitischen Bedingungen«, unter denen die »Urfassung« in der DDR entstand. »Erst Mitte der achtziger Jahre« sei es gelungen, »(wenngleich nicht immer kompromißlos), ärgerliche Lektoratseinschübe und verordnete Passagen aus der 1. Auflage von 1969 weitgehend zu eliminieren«.[6]
    Hilschers Hauptmann-Biographie war zweifellos ein Meilenstein, insbesondere weil sie ihrem Autor als Bewunderer Thomas Manns eine wohltuende Distanz zu seinem Gegenstand ermöglichte, die früheren Hauptmann-Biographien fehlte, da sie oft von Autoren aus dem Bekanntenkreis Hauptmanns stammten (z.B. von Paul Schlenther [1854-1916] oder Joseph Gregor [1888-1960]). Gleichwohl war Hilschers Hauptmann-Buch mehr eine Werkmonographie in chronologischer Darstellung mit biographischem Schwerpunkt als eine Biographie im engeren Sinne.
  2. Das Gegenstück zu Hilschers Arbeit für den westdeutschen Buchmarkt stammte von Wolfgang Leppmann (1922–2002). »Gerhart Hauptmann. Leben, Werk und Zeit« lautet der Titel seiner 1986 im Scherz-Verlag veröffentlichten Hauptmann-Biographie,[7] die drei Jahre später auch im Fischer Taschbuchverlag[8] erschien und zwischen 1995 und 2007 in einer Neuausgabe bei Propyläen und Ullstein erhältlich war.[9] Warum sich diese Biographie geringerer Beliebtheit erfreute, obwohl sie im Untertitel 1995 sogar als »die Biographie« bezeichnet wurde (die folgenden Ausgaben waren wieder bescheidener), bedürfte einer eigenen Untersuchung. Der geringere Umfang wird kaum der Grund sein, sicher auch nicht, daß es bei Leppmann keine biographische Zeittafel gibt (wie Hilscher sie bietet). Über ein Register erwähnter Personen und Werke Hauptmanns verfügen beide Biographien, so daß auch hier nicht der Grund liegen dürfte. Der Gebrauchswert von Leppmanns Darstellung (für gezielten Zugriff) ist etwas beschränkter aufgrund der gröberen Gliederung.
  3. Gänzlich anderen Charakter hat die Rowohlt-Bildmonographie von Kurt Lothar Tank (geb. 1910), die zwischen 1959 und 2006 insgesamt 28 Auflagen erfuhr.[10] Geringerer Umfang, hoher Anteil an Illustrationen und Zitaten, die für sich sprechen sollen, und stärkere Beschränkung auf im engeren Sinne Biographisches sind Kennzeichen der Reihe, in denen der Band erschien. Da die Hauptmann-Forschung nicht frei von Fortschritten war, wäre – gerade angesichts der großen Verbreitung der Rowohlt-Bildmonographien – eine Neufassung auch des Bandes über Hauptmann längst an der Zeit gewesen. (Vielleicht kann der Verlag dafür nun Peter Sprengel gewinnen, nachdem die große Hauptmann-Biographie vollendet ist?)

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Neuer Band der Schriftenreihe / Internationale Bibliographie Bd. IV

Vor neun Jahren erschien der erste Nachtragsband zu Sigfrid Hoeferts »Internationaler Bibliographie zum Werk Gerhart Hauptmanns« (Veröffentlichungen der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft e.V., Bd. 3, 4 u. 12). Zum Hauptmann-Jahr 2012, in dem sowohl der 150. Geburtstag des Dichters als auch das 100jährige Jubiläum der Nobelpreisverleihung zu feiern sind, erscheint im August nun ein zweiter Nachtragsband.

Wie zuvor werden Primär- und Sekundärliteratur seit Veröffentlichung des letzten Bandes und Nachträge zu den vorigen Bänden verzeichnet, insgesamt weit über 1200 neue Beiträge über Hauptmann.

Sigfrid Hoefert: Internationale Bibliographie zum Werk Gerhart Hauptmanns. Bd. IV / von Sigfrid Hoefert in Zusammenarbeit mit Bernhard Tempel. Berlin: Erich Schmidt, 2012 (Veröffentlichungen der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft 15). – 167 S. – ISBN 978-3-503-13727-5. – 29,80 €

Weitere Informationen und  Inhaltsverzeichnis und Einleitung  finden sich im Verlagskatalog.

Mitglieder der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft, die ihren Jahresbeitrag für 2012 entrichtet haben, erhalten den Band im Spätsommer zugesandt. Dies gilt selbstverständlich auch für neue Mitglieder, die sich noch zum Beitritt entscheiden.

Neuerscheinung: »Abschied von Osmundis« – Zwanzig Hauptmann-Studien von Peter Sprengel

Kürzlich erschienen ist in der Reihe »Hauptmanniana« des Dresdner Neisse-Verlags ein reichhaltiger Sammelband des Berliner Germanisten Peter Sprengel, der an der Freien Universität Berlin Neuere deutsche Literatur lehrt und seit seiner Habilitationsschrift »Die Wirklichkeit der Mythen. Unversuchungen zum Werk Gerhart Hauptmanns aufgrund des handschriftlichen Nachlasses« (Berlin 1982) die Hauptmann-Forschung mit zahlreichen Studien und Editionen bereichert, ja geprägt hat. Die zwanzig Beiträge des Bandes stammen aus fast zwanzig Jahren. Verzichtet wurde auf die Aufnahme von Texten, die bereits in ausschließlich Hauptmann gewidmeten Sammelbänden erschienen oder in andere Bücher des Verfassers eingegangen sind.

Gegliedert sind die Studien in vier Abschnitte: »Kunst und Künstler«, »Revision der Moderne«, »Werke der Dreißiger Jahre« und »Konstellationen des Alters«. Manche der Beiträge stellen ein einzelnes Werk ins Zentrum, z.B. die Komödie »Griselda« (1909), das Goethe’sche und Shakespeare’sche Motive aufnehmende »Vor Sonnenuntergang« (1932) und die »Die goldene Harfe« (1933) aus dem Bereich des Dramas, die Novelle »Die Hochzeit auf Buchenhorst« (1931) und die Autobiographie »Das Abenteuer meiner Jugend« (1937) aus der Prosa sowie die lyrischen Werke »Die drei Palmyren« (eine an Goethe und Adolf von Wilbrandt angelehnte Idyllendichtung) und »Der Knabe Herakles«, eine Versdichtung mit Anspielungen auf die Brutalität nationalsozialistischer Expansionspolitik. Andere Beiträge fassen thematische Zusammenhänge ins Auge, etwas Hauptmanns Beziehungen zur bildenden Kunst um 1900, die Idee des Genius, »Todessehnsucht und Totenkult«, öffentliche Wirkung und Inszenierung der Dichter-Rolle, z.B. anhand erster öffentlicher Lesungen 1909, sowie seine Goethe-Rezeption und seine Auseinandersetzung mit Nietzsche, insbesondere in Form der Lektüre von »Der Wille zur Macht« in den 1930er Jahren. Das auch biographische Interesse des Verfassers an Hauptmann – erst vor zwei Jahren erschien das Buch »Der Dichter stand auf hoher Küste. Gerhart Hauptmann im Dritten Reich« (Berlin 2009) – äußert sich vor allem im Abschnitt »Konstellationen des Alters«, dessen Beiträge persönliche Beziehungen des Dichters beleuchten, die Niederschlag im Werk gefunden haben, die als Beispiele für Hauptmann-Rezeption gelten können oder wo andere Wechselbeziehungen zu verzeichnen sind; u.a. geht es um ein Briefgedicht Hauptmanns an die Baronin Gudrune von Hoyningen-Huene (geb. Borsig) und das Verhältnis zu Franz Rolf Schröder und dem schlesischen Autor Horst Lange.

Der übrigens mit über dreißig Abbildungen reich illustrierte Band wird eröffnet und beschlossen mit zwei Originalbeiträgen aus dem Jahr 2010: Einer Würdigung der frühen, noch vornaturalistischen Musen-Dichtungen Hauptmanns sowie einer Abhandlung über die Inszenierungen der »Iphigenie in Delphi« 1941/42. Für den gezielten Zugriff steht schließlich ein Register der Werke Gerhart Hauptmanns zur Verfügung.

Sprengel, Peter: Abschied von Osmundis. Zwanzig Studien zu Gerhart Hauptmann (Hauptmanniana 5). Dresden: Neisse-Verl., 2011. 576 S. ISBN: 978-3-86276-011-4. – 48 Euro

Verlagsinformation (mit Inhaltsübersicht)

Leseprobe bei Google Books

 

Carl und Gerhart Hauptmann-Jahrbuch 4 (2009)

Kürzlich erschienen ist der 4. Band (2009) des Carl und Gerhart Hauptmann-Jahrbuchs, umfangreicher als zuvor, was vor allem am Abdruck der Erinnerungen Konrad Hauptmanns an seinen „Onkel Gerhart“ (S. 111-272) liegt. Hervorzuheben ist auch eine Miszelle von Peter Sprengel zu einer frühen protestantischen Rezeption des Ketzer von Soana. Die Beiträge im einzelnen:

 

  • Helbig, Louis Ferdinand: »Nächste Nähe und fernste Ferne in Gerhart Hauptmanns Schaffensprozess«, S. 7–25.
  • Bernhardt, Rüdiger: »Das gebrochene Genie. Gerhart Hauptmann und die Bildende Kunst«, S. 27–55.
  • Hildebrandt, Klaus: »Gerhart Hauptmann und Hohenhaus«, S. 57–74.
  • Sprengel, Peter: »Ein ›kleines Fläschchen Gift‹ für 7 Mark. Der Ketzer von Soana in der Kritik des zeitgenössischen Protestantismus«, S. 75–81.
  • Hoefert, Sigfrid: »Gerhart Hauptmanns Verhältnis zu Knut Hamsun. Einige Bemerkungen über die anliegenden Berührungspunkte«, S. 83–95
  • Hoefert, Sigfrid: »Einige Bemerkungen zu Peter Sprengels Gesamtdarstellung über Gerhart Hauptmanns Wirken im Dritten Reich. Die bis heute umstrittene Rolle Gerhart Hauptmanns im Dritten Reich«, S. 97–100.
  • Sprengel, Peter: »Schicksal eines Lieblingsneffen. Zu den Erinnerungen Konrad (Kuni) Hauptmanns«, S. 101–110.
  • Hauptmann, Konrad: »Onkel Gerhart«, S. 111–272.
  • Neumann, Helga: »Das Carl-Hauptmann-Archiv der Akademie der Künste Berlin. Mit Briefentwürfen Carl Hauptmanns an Josepha Krzy˙zanowska«, S. 273–296.
  • Duda-Koza, Agata: »Das Erbe von Carl Hauptmann in den Sammlungen der Schlesischen Bibliothek«, S. 297–340.
  • Mackiewicz, Mirosław: »Gerhart Hauptmann in der Breslauer Zeitschrift ›Schlesische Monatshefte‹ «, S. 341–384.

Leider ist das Jahrbuch weiterhin nur in wenigen deutschen Bibliotheken verfügbar (s. Zeitschriftendatenbank) und über den Sortimentsbuchhandel nicht zu beziehen. Die für den Band 3 (2008) genannte Bezugsadresse stimmt möglicherweise nicht mehr, da das Jahrbuch nun im Wissenschaftlichen Verlag der Fachhochschule Włocławek erscheint. Adresse der Redaktion:

Prof. Dr. Krzysztof A. Kuczyński
Katedra Badań Niemcoznawczych / Lehrstuhl für Deutschlandstudien
Uniwersytet Łódzki / Universität Lodz
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