Mitgliederversammlung 2016

Auf Einladung der Direktorin des Städtischen Museums Gerhart-Hauptmann-Haus in Jagniatków (Agnetendorf), Julita Izabela Zaprucka, findet die diesjährige Mitgliederversammlung am Sonnabend, dem 12. November 2016 um 14 Uhr erstmals im „Haus Wiesenstein“ statt.

Bereits um 13 Uhr sind alle Mitglieder herzlich zur Eröffnung der Ausstellung „Gerhart Hauptmann und seine Bilderwelten“ eingeladen. Zu diesem Anlass wird ein Katalog vorgestellt, der die Ergebnisse des diesjährigen deutsch-polnischen Künstler-Pleinairs dokumentiert.
 
Im Anschluss an die Mitgliederversammlung wird es ein Treffen mit Vertretern der polnischen Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft geben.
 
Nähere Informationen, auch zu Anreise und Übernachtung, gehen den Mitgliedern mit der Einladung zur Mitgliederversammlung rechtzeitig zu.
 

Zum Tode von Klaus Hildebrandt

Von Ulrich Schmilewski

Eine große Schar von Verwandten, Freunden und Weggefährten hatte sich am 27. April 2016 auf dem Nürnberger Westfriedhof eingefunden, um dem am 20. April in Nürnberg gestorbenen Dr. Klaus Hildebrandt das letzte Geleit zu geben. Geboren wurde Klaus Hildebrandt am 30. Juli 1936 im schlesischen Schweidnitz, wo er noch die Volksschule besuchte. Nach der Flucht setzte er seine schulische Ausbildung in Mittelfranken fort, legte sein Abitur in Nürnberg ab und studierte die Fächer Deutsch, Geschichte, Erdkunde, Englisch und Philosophie an der Universität Erlangen, wo er 1965 mit einer Arbeit über „Gerhart Hauptmanns Verhältnis zur Geschichte“ zum Dr. phil. promoviert wurde. Beruflich hatte er sich für den Schuldienst entschieden, zunächst am Dürer-Gymnasium in Nürnberg, dann von 1987 bis zu seiner Pensionierung als Oberstudiendirektor und Schulleiter am Hardenberg-Gymnasium Fürth. Ein Anliegen war ihm dabei die Ausbildung auch der angehenden Pädagogen, so wurde er Seminarlehrer für Geschichte und Deutsch, schließlich Seminarleiter und -vorstand.

Seine Verbundenheit zu Schlesien sowie zu Leben und Werk von Gerhart Hauptmann fand Ausdruck in verschiedenen, häufig jahrzehntelangen Mitgliedschaften und ehrenamtlichen Tätigkeiten. So gehörte Klaus Hildebrandt der Historischen Kommission für Schlesien an, war Mitglied im Verein für Geschichte Schlesiens sowie – seit 1964 – der Freunde und Förderer der Stiftung Kulturwerk Schlesien e.V. Am aktivsten ist er in der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft gewesen, seit 1986 als Schatzmeister, Zweiter und schließlich bis letztes Jahr als Erster Vorsitzender; hier lagen ihm besonders die Hauptmann-Häuser auf Hiddensee, in Erkner und in Agnetendorf im Riesengebirge am Herzen. In Funktionen hat er sich auch eingebracht bei der Stiftung Kulturwerk Schlesien als Mitglied des Stiftungsrates seit 1982 und als interner Rechnungsprüfer. Dabei ging es ihm nie um das Amt als solches, sondern um die Sache und darum zu helfen, wenn er gerufen wurde. Gerufen wurde er auch im Jahre 2007, als es darum ging, in dieser Vierteljahreszeitschrift die Rubrik „Geburtstagsglückwünsche“ weiterzuführen.

Verbunden hat er diese aus der Liebe zu seiner Heimat Schlesien gespeiste Tätigkeit mit seinem fachlichen Wissen und Können insbesondere im Bereich der Germanistik. Dabei ging es nicht nur um die Erforschung und Darstellung von Leben und Werk Gerhart Hauptmanns, sondern auch anderer schlesischer Schriftsteller und Dichter vom Barock bis in die Gegenwart. Unter seinen zahlreichen Aufsätzen und Veröffentlichungen sind bemerkenswert und bleibend seine Würdigungen schlesischer Schriftsteller der Gegenwart, die er häufig auch persönlich kannte. In Vorträgen und in Aufsätzen beispielsweise in den „Schlesischen Lebensbildern“ hat Klaus Hildebrandt ihr Werk und ihr Leben, das mit dem Verlust der Heimat, mit Flucht, Vertreibung und Neubeginn in der Fremde auch seines war, vorgestellt, etwa Horst Bienek, Heinz Piontek, Jochen Hoffbauer und andere mehr.

Für diese seine ehrenamtlichen Tätigkeiten wurde Klaus Hildebrandt mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt, die Stiftung Kulturwerk Schlesien würdigte ihn im Jahre 2012 mit der Verleihung der Gerhart-Hauptmann-Plakette.

Der Schlesier Klaus Hildebrandt hat seine Heimat und die Literatur verbunden. Und so gebührt das letzte Wort dem Dichter Angelus Silesius (Cherubinischer Wandersmann I, 185):

Nicht du bist in dem Ort,
der Ort, der ist in dir!
Wirfst du ihn aus, so steht
Die Ewigkeit schon hier.

(Erschienen in: Schlesischer Kulturspiegel 51, 2016, S. 24 f., Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Verfassers.)

Gerhart Hauptmann und die Musik: Symposium zum 70. Todestag

Am 10. Juni 2016 ab 10 Uhr findet im Gerhart-Hauptmann-Museum Erkner ein Symposium statt, das unter dem Zitat-Motto »… und weiche Klänge quellen auf wie Rauch« dem Thema »Gerhart Hauptmann und die Musik« nachgeht.

Auf dem Programm stehen folgende Beiträge:

 

  • Prof. Dr. Enjott Schneider: Bahnwärter Thiel als Oper. Werkstattbericht zu Dramaturgie und Resultat (mit Videobeispielen)
  • Marc Schweißinger: Gerhart Hauptmann und Richard Strauss oder der verhinderte Librettist
  • Alexander M. Pfleger: »Ich bin weit davon entfernt, mich an Richard Wagner deutschtümelnd zu entzücken …« Gerhart Hauptmanns schöpferische Auseinandersetzung mit dem Werk Richard Wagners
  • Dr. Frank Piontek: Vertontes und Unvertontes von Leos Janacek, Richard Strauss und anderen Meistern: Gerhart Hauptmann und die Musik.

Dem eigentlichen Symposium vorangestellt ist eine Würdigung »Zum Gedenken an Dr. Klaus Hildebrandt« durch Sigfrid Hoefert. Der langjährige 1. Vorsitzende der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft e.V. ist im April 2016 gestorben.

»Vor Sonnenuntergang« im Schlosspark Theater (Berlin)

Wolfgang Beck, Schatzmeister der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft e.V. berichtet:

Im Berliner Schlosspark Theater hatte am 16. Januar dieses Jahres Gerhart Hauptmanns »Vor Sonnenuntergang« Premiere. In den Hauptrollen sind der Leiter dieses kleinen Theaters, Dieter Hallervorden, als der gerade 80 Jahre alt gewordene Geheimrat Matthias Clausen und Katharina Schlothauer als die junge Inken Peters zu erleben. Mit ihr geht Clausen eine lebensfreudige und durchaus gegenseitige Liaison ein und ist bereit, sein bisheriges Leben vollkommen neu zu beginnen: sehr verunglimpft – psychologisch gedeutet wohl eher beneidet und mißgönnt – durch seine eigene Nachkommenschaft samt Anhang, die in großer Gier und Angst um den Verlust der zu erwartenden Erbschaft alles Mögliche unternimmt, um die Aufbruchstimmung ihres Vaters und Witwers bis hin zum dramatischen Ende zu verhindern.

Mit diesem 1932 uraufgeführten Drama inszeniert Gerhart Hauptmann drastisch die Voreingenommenheit – zumindest im familiärem Umfeld – gegenüber dieser als ungleich angesehenen Liebesbeziehung als panische Angst vor Veränderung. Dieter Hallervorden und Katharina Schlothauer bilden dazu ein kraftvolles und eindrücklich spielendes Paar, dessen Beziehung durch die anderen Charaktere mitreissend ausgehebelt wird. Alles in allem also ein empfehlenswerter Hauptmann-Abend, für dessen bewegenden Genuss frühzeitig Karten reserviert werden sollten, nicht nur, um sich auch von Hallervordens weniger bekannten, aber um so imponierenderen Talent für diese ernste Rolle einnehmen zu lassen.

Gerhart Hauptmann in Stuttgart

In Stuttgart zeigt das Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg schon seit 28. Oktober 2015 zwei Hauptmann-Ausstellungen. Die Ausstellung „Gerhart Hauptmann: Der Dichter der Menschlichkeit“ wurde zuerst 2012 in Königswinter gezeigt, und die Originalausstellung „hauptmann-bruch-stücke“ will dem Betrachter keine Interpretetation aufdrängen, sondern bietet den Besuchern – laut Ankündigung – „Puzzle-stücke, aus denen sie sich ihr eigenes Hauptmann-Bild zusammensetzen können. hauptmann-bruch-stücke möchte neugierig machen auf die Werke einer großen, schwer zu fassenden Künstlerpersönlichkeit“.

Beide Ausstellungen sind noch bis zum 24. März 2016 zu sehen. Begleitet werden sie von einem Lesungs- und Vortragsprogramm mit noch drei Terminen:

Neue Literaturhinweise

Nachdem es 2014 nur eine Lieferung gab, erhielten die Mitglieder der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft in diesem Jahr wieder zwei Lieferungen mit Hinweisen auf neue Hauptmann-Literatur. Etwas verspätet sind nun beide Lieferungen auch online zu finden.

Der Umfang geht weiter zurück, was damit zusammenhängen könnte, daß die Produktionen zum Jubiläumsjahr 2012 durch sind. Ein weiterer Grund liegt darin, daß ich nur noch Titel aufnehme, die ich auch autopsieren konnte. Der dafür nötige Aufwand steht leider in umgekehrt proportionalem Verhältnis zum (anzunehmenden) Wert der Publikationen, daher hat der Bodensatz nicht autopsierter Einträge in der Datenbank weiter zugenommen.

Ergebnis der Vorstandswahlen

Bei der Mitgliederversammlung am 14. November wurde der Vorstand neu gewählt.

Klaus Hildebrandt (Nürnberg), der seit 1994 – mehr als 20 Jahre – das Amt des 1. Vorsitzenden innehatte, stand nicht mehr zur Wahl. Zu seinem Nachfolger wurde Wolfgang de Bruyn (Görsdorf) gewählt, der hauptamtlich als Direktor des Kleist-Museums in Frankfurt/Oder tätig ist. Neues Vorstandmitglied als Beisitzerin ist Eva Eisenhofer (Berlin), und nach drei Jahren Pause kandidierte auch Bernhard Tempel (Hannover) wieder für den Vorstand; der Verantwortliche für die Webseiten der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft und die regelmäßige Zusammenstellung von Literaturhinweisen wurde ebenfalls als Beisitzer gewählt.

Für Kontinuität sorgt ferner die Wiederwahl des 2. Vorsitzenden (Stefan Rohlfs), des Schatzmeisters (Wolfgang Beck), des Schriftführers (Marc Jeremias Schweißinger) und eines weiteren Beisitzers (Alexander Martin Pfleger). Dem Vorstand gehören laut Satzung ferner an: die Leiterin des Gerhart-Hauptmann-Hauses Kloster auf Hiddensee (Franziska Ploetz) und die Direktorin des Städtischen Museums Gerhart-Hauptmann-Haus Jelenia Góra / Jagniątków (Julita Izabela Zaprucka).

Mitgliederversammlung 2015

Die diesjährige Mitgliederversammlung findet am 14. November 2015 im Gerhart-Hauptmann-Museum Erkner, Gerhart-Hauptmann-Straße 1–2, statt. Im Anschluß, ab 17 Uhr, findet eine literarische Abendveranstaltung statt. Auf dem Programm stehen eine Lesung von Prof. Dr. Sigfrid Hoefert (Waterloo / Ontario, Kanada) aus seinen Sammlungen „Unterwegs. Gedichte und Fragmente“ (2013) und „Auf Wegen und Umwegen. Gedichte und Versfragmente“ (2014) sowie ein Vortrag von Alexander Martin Pfleger (Glattbach): „Gerhart Hauptmann, Thomas Westerich, Fritz Julius Buß: Drei Wege nach Atlantis – und wieder zurück“.

Wie stets sind Gäste sind willkommen; der Eintritt ist frei.

Festschrift für Peter Sprengel

Kürzlich erschien eine Festschrift für Peter Sprengel, der nicht nur, aber doch sehr als Hauptmann-Forscher bekannt ist. So versteht es sich beinahe von selbst, daß sich der umfangreiche Sammelband nicht nur, aber doch auch Werk und Leben Gerhart Hauptmanns widmet. Als Vorgriff auf die nächste Lieferung der Literaturhinweise hier bereits die bibliographischen Angaben:

Lörke, Tim, Gregor Streim und Robert Walter-Jochum (Hrsg.): Von den Rändern zur Moderne. Studien zur deutschsprachigen Literatur zwischen Jahrhundertwende und Zweitem Weltkrieg. Festschrift für Peter Sprengel zum 65. Geburtstag. Würzburg 2014. – 504 S. – ISBN: 978-3-8260-5484-6 – 49,80 €.

Der Themenblock »Ein Großer vom Rande – Der Schlesier Gerhart Hauptmann« enthält folgende (mit Ausnahme des originellen ersten: wissenschaftliche) Beiträge:

  • Astrid Arz: Gerharts Traum. Konkret prosaisches Anagrammnonsensepoesiedrama, teils mit Tippfehlern, teils in naturalistisch-hartdeutscher Mundart, S. 107–109
  • Achim Aurnhammer: »Wenn ich was könnte […] und wenn der Hauptmann gescheidt wär« – Arthur Schnitzlers Wettstreit mit Gerhart Hauptmann, S. 111–126
  • Bernhard Tempel: Passive und naive Helden. Georg Lukács als Kritiker der Tragödie Gerhart Hauptmanns, S. 127–146
  • Antje Johanning-Radžienė: »In der Sinfonie der letzten vier Jahrzehnte ist sie der unbeirrbare, starke, tiefe Orgelpunkt.« Käthe Kollwitz und Gerhart Hauptmann, S. 147–170
  • Wojciech Kunicki: Die Wirklichkeit der Mythen. Zu Gerhart Hauptmanns Beschreibung des Zobten-Kommers in Das Abenteuer meiner Jugend, S. 171–184
  • Krzystof A. Kuczyński: Die Feiern zu Gerhart Hauptmanns 80. Geburtstag in Hirschberg 1942, S. 185–193
  • Till Becker und Edith Wack: »Sich äussern heisst äusserlich werden.« Ein Versuch über Gerhart Hauptmann als Briefschreiber, S. 195–222
  • Jutta Weber: Gerhart Hauptmanns Briefnachlass und das Projekt »Gerhart Hauptmann digital«, S. 223–231

Gedichte und Versfragmente von Sigfrid Hoefert

Schon 2013 erschien unter dem Titel Unterwegs ein Bändchen mit Gedichten und Versfragmenten von Sigfrid Hoefert.[1] Der Autor, Jahrgang 1925, ist Germanist und in der Hauptmann-Forschung vor allem bekannt als Hauptmann-Bibliograph. Nach dem Tod Rudolf Ziesches ist er eines der beiden Ehrenmitglieder der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft e.V.

Der ein Jahr später veröffentlichte zweite Gedichtband, Auf Wegen und Umwegen[2] enthält auch drei Gedichte, die sich auf Gerhart Hauptmann beziehen. Besonders gelungen scheint mir Schlesische Kriegsspiele, weil es auf kürzestem Raum Spannweite, aber auch überwiegende Tendenz von Hauptmanns Äußerungen zum Krieg zusammenfaßt. Mit der freundlichen Erlaubnis des Verfassers sei es hier wiedergegeben:

Schlesische Kriegsspiele

Den Frieden preist Hauptmann im Festspiel
und trifft mit seinen Reimen kriegerische Heißsporne,
und später zur Vernichtung der Elbmetropole sagt er,
was gesagt werden musste, manchmal äußert er
Anstößiges, verdammt jedoch
den Krieg in den Versen
über der Atriden
Schicksal.

[1] Sigfrid Hoefert: Unterwegs. Gedichte und Versfragmente. Münster: agenda-Verl., 2013 (Kleine Reihe Literatur 7). – 65 S. – ISBN 978-3-89688-499-2
Verlagsinformationen (mit Inhaltsverzeichnis und Leseprobe)

[2] Sigfrid Hoefert: Auf Wegen und Umwegen. Gedichte und Versfragmente. Münster: agenda-Verl., 2014 (Kleine Reihe Literatur 14). – 66 S. – ISBN 978-3-89688-523-2
Verlagsinformationen (mit Inhaltsverzeichnis und Leseprobe)