Neuerscheinung: Briefwechsel Gerhart Hauptmann / Ivo Hauptmann

In höchster Berliner Eile, Gerhart Hauptmann und Ivo Hauptmann, Briefwechsel
Titelbild der Ausgabe des Briefwechsels zwischen Gerhart und Ivo Hauptmann

Schon seit Mai 2012 ist im Schlesischen Museum zu Görlitz die Ausstellung „Poetische Orte“ zu sehen, deren Begleitband durch die Gegenüberstellung von Bildern Ivo Hauptmanns und Texten Gerhart Hauptmanns zum 150. Geburtstag des Vaters auch an den ältesten Sohn Gerhart Hauptmanns erinnert. Mit dem Briefwechsels zwischen Gerhart und Ivo Hauptmann (1886-1973) ist nun ein weiterer Beitrag zum Jubiläumsjahr erschienen, der einen „bislang unbekannte[n] Gerhart Hauptmann“ zeigt, wie es im Umschlagtext heißt: „Der Nobelpreisträger erweist sich als fürsorglicher und gelegentlich temperamentvoller Vater, der Ivos Laufbahn als bildender Künstler aufmerksam verfolgte.“

Der von Harriet Hauptmann (Enkelin Ivo Hauptmanns und Betreuerin der Ivo-Hauptmann-Archivs) und Stefan Rohlfs (Leiter des Gerhart-Hauptmann-Museums Erkner sowie 2. Vorsitzender der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft) herausgegebene Briefwechsel umfaßt den großen Zeitraum zwischen 14. August 1895 und 27. April 1946. Es handelt sich um eine Auswahlausgabe, über deren Kriterien das Vorwort unterrichtet:

„Die Korrespondenz kann nur in Teilen wiedergegeben werden. Zum einen soll die Auswahl den Fokus auf die künstlerische Beziehung setzen, deshalb sind einzelne Briefe und Postkarten mit ausschließlich familiären Äußerungen und Informationen weggelassen worden. Zum anderen ist ein Großteil der Briefe, die im Laufe von über 50 Jahren von beiden Seiten geschrieben wurden, durch verschiedene Umstände nicht mehr erhalten. Bezugnahmen und Antworten auf Schreiben sind im Briefwechsel häufig nicht zu finden, da sich Gerhart und Ivo Hauptmann oft per Telefon oder im persönlichen Gespräch verständigten.“ (S. 7)

Trotz der Auswahl ist ein reichhaltiger Band zustande gekommen, der nicht primär wissenschaftliche Nutzer ansprechen will und wird, sondern Leser. Die einzelnen Briefe sind knapp sachlich annotiert, und für Anschaulichkeit sorgen 16 Abbildungen, u.a. Fotoportraits, faksimilierte Briefe sowie Zeichnungen und Gemälde Ivo Hauptmanns. Abgerundet wird der Band durch eine Zeittafel (S. 238-245) und ein Personenregister, das übrigens auch Verweisungen von den vielfach vorkommenden Kosenamen enthält.

Hauptmann, Gerhart und Ivo Hauptmann: »In höchster Berliner Eile . . . « Briefwechsel. Hrsg. v. Harriet Hauptmann und Stefan Rohlfs. Berlin: Verl. für Berlin-Brandenburg vbb, 2012. 252 S.
ISBN 978-3-942476-32-4
24,95 Euro

Neuer Band der Schriftenreihe / Hauptmann und Stehr

In den letzten Jahren hat die auch biographische Erschließung von Hauptmanns Freundes- und Bekanntenkreis sich niedergeschlagen in verschiedenen Briefausgaben (Joseph Chapiro, Erhart Kästner, Oskar Loerke) und zwei Aufsatzsammlungen (Weggefährten Gerhart Hauptmanns, hrsg. von Klaus Hildebrandt und Krzysztof A. Kuczyński, Würzburg 2002 sowie Gerhart Hauptmanns Freundeskreis. Internationale Studien, hrsg. von Klaus Hildebrandt und Krzysztof A. Kuczyński, Włocławek 2006).

Ein weiterer Baustein ist jetzt als Band 14 der Veröffentlichungen der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft e.V. erschienen:

Hermann und Hedwig Stehr im Briefwechsel mit Gerhart und Margarete Hauptmann / hrsg. von Peter Sprengel. Berlin: Erich Schmidt, 2008 (Veröffentlichungen der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft 14). – 262 S. – ISBN 978-3-503-09852-1. – 39,80 €

Dokumentiert wird die spannungsreiche Freundschaft des schlesischen Schriftstellers Hermann Stehr mit Gerhart Hauptmann, unter Einbeziehung der Rolle der Ehefrauen. Im Zentrum des von Peter Sprengel herausgegebenen Bandes steht der Briefwechsel, der sich freilich durch die für Hauptmann charakteristische Asymmetrie auszeichnet: Die  Briefe an die Hauptmanns überwiegen bei weitem, sicherlich nicht nur aufgrund der Überlieferungslage. Im Anhang werden weitere Zeugnisse der Schriftstellerbeziehung abgedruckt, u.a. einschlägige Notiz-, Tagebuch- und Kalendereintragungen von Hermann Stehr, Gerhart Hauptmann und Margarete Hauptmann. Eingeleitet wird der Band von dem umfangreichen Essay „Brüder im heiligen Geist? Tragik einer Dichter-Freundschaft“ (S. 11-78) des Herausgebers.

Weitere Informationen und das Inhaltsverzeichnis finden sich im Verlagskatalog.

Mitglieder der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft, die ihren Jahresbeitrag entrichtet haben, erhalten den Band wie üblich zugesandt.